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Internationales Segelwochenende Hämophilie
Rottenburg, den 04. April 2011
Nachdem ich vom Vater eines der teilnehmenden Jungen am vereinbarten Treffpunkt in Köln abgeholt wurde, starteten wir zur lang ersehnten Reise zum Segelwochenende nach Holland. Nach unzähligen Staus mussten wir zunächst in der niederländischen Hauptstadt Amsterdam Benjamin Wolf abholen, der ausgerechnet an diesem Tag einen Ausflug mit seiner Schulklasse in das Anne-Frank-Museum unternommen hatte.

Bevor wir Benny endlich winkend an einer Seitenstrasse entdeckten, hatten wir bereits eine halbe Stadtrundfahrt hinter uns, was aber wegen der vielen Sehenswürdigkeiten und Eindrücke nicht langweilig war.

Von nun an ging es zügig in das Nirgendwo. Eine Gegend, die so verlassen war wie ich sie noch nie gesehen hatte. Wir erreichten spät abends das kleine Dorf wo unsere beiden Schiffe lagen.

Wir packten erleichtert und staunend unsere Taschen aus. Staunend über die Schönheit der beiden Schiffe in der Dunkelheit. tsjerk_hiddes-2006

Wir erwischten gerade noch ein verspätetes Abendessen, das aus Hühnerschenkeln und Schnittchen bestand, es war köstlich, das wohl beste, was ich seit langer Zeit gegessen habe (was aber wahrscheinlich auch an unserem besonders großen Hunger lag).

Nach dem Abendessen schauten wir uns zunächst das Schiff an und wurden mit holprigem Deutsch begrüßt. Die Betreuer und anderen Teilnehmer machten einen sehr netten Eindruck.

Schließlich machten wir uns noch auf, um das Dorf zu erkunden. Auf dem Weg dorthin kamen wir an vielen Schiffen vorbei, auf denen fröhliche Partys gefeiert wurden. Übereinstimmend stellten wir fest, dass trotz vieler schöner Schiffe unseres doch das allerschönste war.

In Stavoren selbst fanden wir ein Lokal, in dem eine Coverband spielte. Die Stimmung war gut und der Tag fand hier einen schönen Abschluss.

Als wir irgendwann spät in der Nacht schlafen gingen, merkten wir wie klein doch die Betten sind. Aber dennoch empfanden wir es als sehr komfortabel dort zu schlafen, zumal wir durch den Wellenschlag sanft in den Schlaf fanden.

Am nächsten Morgen konnten wir nach einem ausgiebigen Frühstück zunächst einmal unsere Boote und die Umgebung im Sonnenlicht begutachten. Unser Eindruck vom Vorabend, dass wir ein sehr schönes Schiff hatten, wurde hier nachhaltig bestätigt.

Wir bereiteten zunächst die Segel vor und machten uns dann im frischen Wind auf, um mit unseren beeindruckenden Schiffen auch mal das niederländische Gewässer zu befahren. Verpflegung gab es reichlich und langweilig wurde es auch nie.

Wenn wir uns ausruhen wollten, legten wir uns einfach auf dem Deck in die Sonne. Oder man hielt ein Schwätzchen mit dem Kapitän. Man konnte auch mit dem gut erzogenen Bord-Hund spielen.

grootvorst Als wir gegen Mittag einen anderen Hafen ansteuerten, war das Wetter immer noch wunderbar.

Nach einem sehr leckeren Mittagessen besprachen wir den weiteren Tagesablauf, der als Höhepunkt einen Segelausflug mit kleinen Segelbooten bereit halten sollte.

Leider verpasste unsere Bonner Gruppe das Auslaufen der Boote, weil wir uns vorher an Land noch ein wenig die Beine vertreten wollten und mangels Uhren nicht wieder pünktlich zurück waren. Dank eines Betreuers, der uns mit einem Motorboot auf die bereits auf „See" befindlichen Segelboote brachte, erlernten wir viele Handgriffe und Kniffe zum Führen eines solchen Bootes. Gleichzeitig erfuhren wir auch noch viele interessante Dinge über die Gegend und die Geschichte des Segelns.

Am Abend nahmen wir an einem Kochkurs teil, wo die verschiedenen Gruppen unterschiedliche Gänge eines Menüs zubereiten sollten. Die Bonner Gruppe zauberte eine Kombination aus Eis und selbst gemachtem warmen Kuchen auf den Tisch. Das anschließende gemeinsame Abendessen war sehr lecker und wir redeten und lachten sehr viel miteinander.

Danach gingen einige noch in eine Disco, die zwar recht amüsant war aber leider nicht meinen Musikgeschmack bedienen konnte, weil sie keine Rockmusik im Angebot hatten.

Wir gingen nachts zurück zum Schiff und genossen noch den Ausblick.

Am nächsten Morgen wurde ich von den Wellen geweckt und bemerkte verwundert, dass wir schon fuhren. Benjamin wollte noch schlafen und die anderen Bonner auch. Nach einem hastigen Frühstück begab ich mich schnell an Deck, weil ich den Wind spüren und die Aussicht auf das Ijsselmeer genießen wollte. Es wehte ein ordentlicher Wind und durch das aufpeitschende Wasser wurde ich sofort richtig wach.

Wir hissten alle Segel und nahmen schnell ein erstaunliches Tempo auf. Wer es wagte, nach vorne zum Bug zu gehen, wurde sofort vom Wasser durchnässt. Schließlich kamen auch die anderen Bonner Benny, Joey und Dennis verschlafen an Deck, der Wind machte manche erst richtig wach. Doch Joey entschied sich noch mal schlafen zu gehen, was ich wegen des enormen Seegangs kaum nachvollziehen konnte. Für mich war dieser Ausflug ein besonderer Höhepunkt des Segelwochenendes.
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Auf der Rückfahrt in den Heimathafen unterhielten uns angeregt mit den holländischen und belgischen Hämophil en und hörten Musik. Nachdem wir wieder angelegt hatten, konnten wir noch eine kleine Runde durch das Dorf drehen, bevor wir dann unsere Sachen packen mussten. Nach einer herzlichen Verabschiedung von den  anderen Teilnehmern und den Betreuern  wurden wir an Land schon von meinen Eltern erwartet, die uns abholten. Die Rückfahrt nach Deutschland verlief ziemlich problemlos, weil die Straßen freier waren. Nachdem wir die anderen Bonner am Kölner Hauptbahnhof abgesetzt hatten, wo sie schon von ihren Eltern erwartet wurden, freute ich mich doch auf mein etwas größeres Bett. Dennoch möchte ich die Erfahrung mit den Bordbetten nicht missen.

Das internationale Segelwochenende war total klasse und ich kann es andern ausdrücklich empfehlen. Ich hoffe, dass dieses Wochenende wiederholt wird und wir dann mit einer noch größeren Bonner Gruppe wieder nach Holland fahren.

Ich möchte mich bei allen Leuten bedanken, die diese Reise möglich gemacht haben.

Fabrice Thumm, Sinzig


Anmerkung der Redaktion:

Die IGH e.V. bedankt sich bei der Fa. Bayer Health Care, Bayer Vital GmbH, die durch organisatorische und finanzielle Hilfe die Durchführung dieses internationalen Segelwochenendes ermöglicht hat.
Unser besonderer Dank richtet sich an Dr. Frank Leebeek vom Ersamus Medisch Centrum in Rotterdam für die Gesamtorganisation und die medizinische Betreuung.

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